Der Lange Jammer

Mit dem heutigen Tag beginne ich eine lose Reihe von Blogs über Orte, die für immer von dieser Welt verschwunden sind, die im Verschwinden begriffen sind, und für die es lohnt, eine Träne zu verlieren. Ein solcher Ort ist der Lange Jammer. Einst die längste Fußgängerbrücke Europas, verband diese Stahlkonstruktion, die 1937 fertiggestellt wurde, den heutigen S-Bahnhof Storkower Straße in Berlin Lichtenberg mit der Eldenaer Straße in Friedrichshain. 434 Meter lang, vier Meter breit und sechs Meter hoch spannte sich die Brücke zu ihrer Eröffnung auf 22 Stützen über das Schlachthofgelände. Der Fußweg war überdacht und seitlich mit undurchsichtigen Glasscheiben verkleidet, um die Aussicht auf die täglichen Szenen im Schlachtbetrieb zu verhindern.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die im Volksmund „Langer Jammer“, „Langes Elend“ oder auch „Rue de Galopp“ genannte Brücke stark zerstört, bis 1951 aber wieder rekonstruiert. Zu DDR-Zeiten wurde sie in den 70er-Jahren umfangreich saniert und bis zum Wohngebiet Fennpfuhl verlängert. Von nun an maß sie 522 Meter.
Mitte der 90er-Jahre wurde anlässlich des beginnenden Wiederaufbaus der Ring-Bahn das 85 Meter lange Teilstück vom S-Bahnhof bis über die Storkower Straße saniert. Da der Investor des geplanten Wohn- und Gewerbegebiets Alter Schlachthof darauf drängte wurde ein 300 Meter langes Teilstück der denkmalgeschützten Brücke 2002 abgerissen.
Die Senatsverwaltung kommentiert in Ihrer Drucksache Nr. 15/581 (II.A.17.) – Auflagenbeschlüsse 2002 /2003 lapidar: „Die Abrissmaßnahmen ergaben sich aus der Notwendigkeit der zeitgerechten, und vertraglich vereinbarten Schaffung von Baufreiheit für das Investitionsvorhaben „Fachmarktzentrum“ an der Herrmann-Blankenstein-Straße.“
Aus Gründen des Denkmalschutzes ließ man ein etwa 75 Meter langes Teilstück an der Eldenaer Straße bestehen. Doch selbst dieses wurde im Frühjahr 2006 beseitigt. Nun erinnern nur mehr das zu Tode sanierte Teilstück, das das „Fachmarktzentrum“ mit dem S-Bahnhof und der Storkower Straße verbindet, sowie der Name der an seiner Stelle verlaufenden Straße, „Zum Langen Jammer“, an das einstige Bauwerk. Einmal mehr eine Schande, wie die Verwaltung dieser Stadt mit ihren Baudenkmälern umgeht.
Informationen zum Areal des Zentralvieh- und Schlachthofs mit einem Abriss zur Geschichte der Fußgängerbrücke ist auf Wikipedia zu finden. Weiter Bilder finden sich unter anderen in meinem Photoset zum Langen Jammer auf flickr.
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