Neulich im ICC
Donnerstag, 28. September 2006320 Meter lang, 80 Meter breit und 40 Meter hoch – so steht das 1979 eröffnete und von den Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte geplante Internationale Congress Centrum wie ein UFO in der Berliner Stadtlandschaft. Besonders an einem Sonntag, wenn das Haus menschenleer ist, und man tiefer in das Gebäude eindringt, scheint es aus einer anderen Welt zu kommen. Und wie es sich für ein anständiges UFO gehört, kann es fliegen. Zumindest, wenn es nach der Architekturanalystin Ragna Körbi geht: „Es kann auf jeden Fall fliegen. Das Gebäude weiß es nur noch nicht. Vielleicht weiß es das Gebäude auch, nur die Stadt weiß es noch nicht.“
Dennoch scheinen nicht alle so glücklich mit dem Gebäude zu sein. Nicht kostendeckend klagt der Senat und würde es am liebsten schon heute abgerissen sehen. Das kennen wir ja aus Berlin – ein Palast, politisch nicht mehr opportun, weg damit! Es scheint als sei Archtitektur, ist sie nicht mindestens 100 Jahre alt, ohnedies nichts Wert, reiner Zweck auf Zeit. „Wenn der Palast weg muss, dann muss das ICC auch weg. Absurd natürlich. Abgesehen davon, dass ich auch finde, dass auch der Palast nicht sofort weg müsste – ich denke, insgesamt müsste man mit Gebäuden ein bisschen vorsichtiger umgehen. Solche Abrisse kosten unglaublich viel Geld – auch das ICC“, so Christine Edmaier vom Bund Deutscher Architekten. Ein Gedanke, der gar nicht laut genug geäußert werden kann: Insgesamt müsste man mit Gebäuden ein bisschen vorsichtiger umgehen!
Da bleibt nur zu hoffen, dass die Stadt endlich aufwacht und sich nicht mehr länger ein mittelmäßiges Bauwerk nach dem anderen in die Baulücken knallen lässt, um im Gegenzug ein bisschen von der Architektur der letzten 50 Jahre befreit zu werden – das gibt ja neue Baulücken …

